Der Expandonismus – eine alternative Erzählung über die Entstehung des Universums
von Jogy Thomas Wolfmeyer, österreichischer Philosoph
Der Philosoph Wolfmeyer erklärt seinen Expandonismus. Er vermutet, dass dieses Modell irgendwann – vielleicht im 30. Jahrhundert – das heutige Weltbild ablösen könnte. Der Mensch werde dann verstehen, dass lokale Beobachtungen leicht zu falschen Schlussfolgerungen führen und ganze Gesellschaften in ein bestimmtes Narrativ treiben können.
Der Expandonismus soll mehrere Modelle aufzeigen, die aus heutiger Sicht noch schwer greifbar sind. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und besonders begabten Menschen könnten sie jedoch einen glaubwürdigeren Einblick in unser Dasein ermöglichen.
„Der Expandonismus wird auch das Ende aller Religionen sein, die noch an eine Erschaffung unseres Universums durch eine übermenschliche Figur glauben“, so Wolfmeyer
Eine alternative Erzählung zur Entstehung
Eine verbreitete These lautet, dass unser Universum durch einen Big Bang entstanden sei. Diese These bleibt jedoch vage. Es könnte sich auch durch ein Wurmloch geformt haben. (Wolfmeyers Theorie „Big Throw“)
Stellen wir uns vor: Auf der einen Seite ein schwarzes Loch, auf der anderen Seite ein weisses Loch. Das schwarze Loch zieht Materie an und komprimiert sie zu einer extrem heissen, wobbligen Masse. Unter dem enormen Druck entsteht eine Kernreaktion. Diese Masse wird durch impulsartige Stösse auf der anderen Seite – dem weissen Loch – ausgestossen. Das geschieht chaotisch und in alle Richtungen, ähnlich wie bei einem frei liegenden Gartenschlauch, der in einer dunklen, kalten Umgebung herumtanzt.
![]() |
Beim Austritt aus dem weissen Loch verhält sich die Masse wie ein Wassertropfen, der in heisses Öl fällt: Sie zerspringt in unzählige glühende Teile. Die kleineren Stücke fliegen weiter weg als die grösseren – wie bei einer gläsernen Vase, die zu Boden fällt und zersplittert.
Jedes dieser reaktiven Teilstücke versucht, seine innere Kettenreaktion aufrechtzuerhalten und zieht dafür Materie aus der Umgebung an. Der einst dunkle und kalte Raum wird allmählich wärmer und heller. Die Teilchen explodieren immer wieder in noch kleinere Stücke. Es entsteht eine Art Dampfbad mit leuchtenden «Glühwürmchen», weil die Umgebung Wasser enthält und dieses Wasser durch die auftretende enorme Hitze der Kernreaktion zu Kochen beginnt und es entsteht ein dichter Nebel.
Auch treffen Teile aufeinander, verbinden sich oder zerschlagen sich in kleiner Teile.
Über Millionen von Jahren verteilen sich die Teilchen immer weiter. Einige schaffen es, ihre Kernenergie stabil zu halten und werden zu Sternen. Andere kühlen ab, bilden eine Kruste und entwickeln sich zu Planeten. Auf einem dieser kleineren Himmelskörper – unserer späteren Erde – blubbert die Oberfläche noch lange.
Dampf steigt auf, kühlt ab, fällt als Eis zurück und kocht erneut. Neben diesem abkühlenden «Glühwürmchen» wächst in einigen Millionen Kilometern Entfernung ein grösseres – unsere Sonne.
Unsere Sonne und die Erde wurden weit nach aussen geschleudert und sind im Vergleich zu den gewaltigen Sternen im Zentrum eher klein – wie kleine Glassplitter der zerbrochenen gläsernen Vase, die man erst nach Jahren weit weg vom eigentlichen Aufschlagen findet.
Wie bei einem heissen Teller Suppe kühlen die am weitesten von diesem massiven Zentrum entfernten Bereiche schneller ab und so ist unser Universum Heute sternenklar und wir können in alle Richtungen blicken.
Weiterentwicklung des Planeten
Der junge Planet ist noch heiss und zäh wie Honig oder Oobleck, dass auf einem Lautsprecher tanzt. Auch könnte die Anziehungskraft anderer Planeten oder Sterne dazu geführt haben, dass unsere Erde sich weiter wie Oobleck verhalten hat und er wobbelte stark um die Sonne. Diese unruhige Bewegung könnte dazu beigetragen haben, dass sich Platten auf der Oberfläche bildeten. Die Krusten wuchsen langsam, brachen immer wieder auf und formten Berge und Täler. Wasser sammelte sich in den Vertiefungen, verdampfte und fiel wieder auf die Erde zurück. Der Planet wurde allmählich runder und stabiler.
![]() |
Ein grösserer Einschlag könnte den Mond aus der Erde herausgeschlagen haben – oder der Mond war bereits vorhanden.
Seine Anziehungskraft stabilisierte zunehmen die Bahn der Erde und bringt sie in die heutige Umlaufbahn.
Bewegung durch den Raum
Beim Austritt aus dem weissen Loch erhielten die ausgestossenen Massen vermutlich auch einen gemeinsamen Drehimpuls (Spin). Unsere ganze Galaxie bewegt sich seither mit enormer Geschwindigkeit durch den Raum. Wenn wir sagen, ein Komet «kommt auf uns zu», könnte es genauso gut sein, dass wir uns auf ihn zubewegen oder ihn gerade überholen.
Möglicherweise befinden wir uns ganz am Rand eines viel grösseren Systems. Dicke Nebel, entstanden durch die gewaltige Hitze dieser vielen Explosionen um das Zentrum könnten das Licht aus dem Inneren noch für Milliarden von Jahren abschirmen.
Die «Blauäugigkeit» der Menschheit
In verschiedenen Epochen hat die Menschheit ihr Bild vom Universum immer wieder verändert: von Dämonen und Göttern über den Geozentrismus bis zum heutigen heliozentrischen Weltbild. Noch immer gehen viele davon aus, dass wir uns irgendwie im «Mittelpunkt» befinden und sich alles von uns wegbewegt.
In den kommenden Jahrhunderten könnte sich die Sichtweise ändern. Die Erzählung vom «Reiskorn am Rand» erscheint dann vielleicht logischer als die Vorstellung eines Big Bang aus dem Nichts. Denn – so Wolfmeyer – ein Glas bewegt sich nicht von selbst und zerschellt am Boden. Auch das Universum vollbringt keine Wunder, auch wenn wir uns das noch so lange einreden.
Jogy Thomas Wolfmeyer ist österreichischer Philosoph und Mathematiker, der sich mit Bemessungen und festgelegten Realitäten beschäftigt.

